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5 Tipps von Helen Fox

  1. Schreibe dort, wo das Interessanteste passiert

Wann immer ich irgendwo hängen bleibe, lehne ich mich zurück und versuche, die Szene und die handelnden Personen als Beobachter zu betrachten. Ist das, was gerade in der beschriebenen Handlung geschieht, wirklich das, was für den Fortgang der Story entscheidend ist?
Oder wäre ein anderer Blickwinkel nicht vielleicht spannender?
Dabei geht es nicht darum, sich immer nur die Momente herauszupicken, wo gerade die meiste ‚Actionhandlung‘ passiert – wer einen Frauenroman schreibt, wird solche Szenen in der Regel nur selten bis gar nicht nutzen. Da sind die Momente der größten Entwicklung der Heldin sehr viel wichtiger als ein Boxkampf zwischen starken Gegnern, bei dem der Ausgang ungewiss ist.
Ich frage mich bei jeder Szene: Wo wäre ich als Leser gerne? Würde mich das hier wirklich packen? Geschieht vielleicht eine Entwicklung im Hintergrund, die viel spannender wäre und die ich nur mit einem Nebensatz abgehandelt habe?

  1. Nach dem Buch ist vor dem Buch

Irgendwann ist jedes Projekt mal beendet – und das ist gut so! Denn wer kein Ende bei seiner kreativen Arbeit findet, der neigt zum Verschlimmbessern, der innere Lektor ist für gewöhnlich nicht nur kritisch, sondern überkritisch.
Die Erfahrung, dass ein Schlusspunkt sehr wichtig ist, habe ich beim journalistischen Schreiben gemacht. Für Artikel und Kolumnenbeiträge gibt es immer ein Erscheinungsdatum, an die man sich als Journalist halten muss – ist man zu kritisch, schafft man dieses Datum nicht. Und: Es gibt kein perfektes Werk! Wenn man sein Bestes gibt, sich mit Lektor und Korrektor einig geworden ist, dann hat man alles Mögliche und Nötige getan. Raus damit – und auf zum nächsten Projekt, mit den Erfahrungen und Erkenntnissen, die man beim Vorgänger gemacht hat.

  1. Finde Deinen eigenen Takt

Schreibratgeber sind hilfreich, wenn man sich etwas über die Theorie anlesen will. Tipp-Listen wie diese auch, um zu sehen, wie andere zu ihrer Arbeitsweise gefunden haben. Die Praxis jedoch muss jeder für sich selbst herausfinden. Ich kenne einige Autoren aus sehr unterschiedlichen Genres, deren Arbeitsmethoden nicht minder verschiedenartig sind. Manche schreiben eisern ihre 2000 Worte am Tag, andere nach Lust und Laune, wieder andere ein Kapitel in einem Rutsch durch – aber ob und wie gut das für einen selbst funktioniert, muss man eigenständig herausfinden. Nicht jede Methode eignet sich für jeden, und es hilft aus meiner Erfahrung heraus, immer offen für neue Methoden zu bleiben, sie auszuprobieren.

  1. Sei konsequent

Ich gehöre zu den Autoren, die sich sehr viele Gedanken um ihre Charaktere machen. Wenn ich eine Story entwerfe, dann stehen die Charaktere immer an vorderster Stelle – und natürlich deren problematische wie weniger problematische Eigenschaften. Wenn ich dann irgendwo hängen bleibe, versuche ich, gerade den problematischeren Eigenschaften der Charaktere zu folgen: Wie würde er/sie reagieren? Wie handeln? Wie bewältigt er/sie das aktuelle Problem? Wird er/sie störrisch, oder wird ein Kompromiss gesucht? Wie handelt er/sie unter Stress? Ich lasse mich richtig in den Moment hinein sinken und versuche, mir das Ganze wie einen Film vorzustellen, der in verschiedenen Variationen vor meinem inneren Auge abläuft – und meistens finde ich damit die Lösung.

  1. Hab Spaß an dem, was Du schreibst

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man als Leser merkt, wenn der Autor einfach nur Seiten geschunden hat, um auf eine bestimmte Gesamtzahl zu kommen. Gerade bei Büchern, die toll anfangen, aber relativ viele Durchhänger im Mittelbereich haben, muss ich mich beim Weiterlesen ziemlich zwingen. Wenn die Dialoge passen, die Wendungen spannend sind und die Hauptcharaktere interessante Persönlichkeiten, hat man schon zu zwei Dritteln gewonnen – aber das kommt nur über den Spaß. Wer gerne Krimis liest, aber sich beim Kriminalfall-Konstruieren unendlich schwer tut, sollte vielleicht ein anderes Genre ausprobieren. Wer sich bei Kurzgeschichten am wohlsten fühlt, muss keinen Vierhundertseitenroman schreiben, nur weil es so viele andere tun. Liebt das, was ihr tut, dann wird es auch gut. 😉